Annette Hornbacher: "Fresh Corpses": the commoditization of Balinese cremation ritual and its limits
Die Verbrennungszeremonie gilt als das bedeutendste Übergangsritual für balinesische Hindus und so ist gerade sie dank zahlloser medialer Repräsentationen zum Emblem balinesischer Kultur geworden. Dem entspricht die scheinbar umfassende touristische Kommerzialisierung balinesischer Verbrennungsrituale, die in sonderbarem Kontrast zu deren spiritueller Bedeutung steht. Der Vortrag untersucht, in welcher Relation diese beiden divergierenden Ritualfunktionen zueinander stehen und ob, bzw. wo balinesische Akteure selbst die Grenze ziehen: Dabei wird auf der einen Seite deutlich, dass selbst einheimische Tourismusanbieter cremation tours organisieren, als deren besonderen Reiz sie fresh corpses preisen. Auf der anderen Seite zeigt ein genauerer Blick auf einen mehrere Wochen dauernden Ritualzyklus, dass es sich dabei nur um einen kleinen und klar definierten Teilabschnitt eines Gesamtprozesses handelt, der seit jeher die populäre Außenseite des, über viele Wochen hinweg entwickelten, Rituals ausmacht. Aufs Ganze betrachtet ist die Vermarktung und mediale Repräsentation der Verbrennung daher – dem ersten Anschein entgegen – klar restringiert.